Rennbericht - Rallye Wittenberg 2010

Wittenberg aus Sicht des Beifahrers

Oder: Wie fährt sich eigentlich ein Luftkissenboot?!

 

 

Am 27.3.10 war es soweit: Erster Lauf im 318 is Cup für uns. Nachdem wir uns auf bereits 2 gefahrenen Veranstaltungen mit dem Auto, seinen liebenswürdigen Macken und dem manchmal fragwürdigen Fahrverhalten bekanntmachen konnten, Fahrer und Beifahrer sich aufeinander eingeschossen hatten, sollte nun die erste "Attacke" folgen.

Schon die Anreise war ein Abenteuer. Ca. 570Km, unter anderem quer durch Halle (danke, liebes Navi! Noch so´n Ding und du fällst in einen Eimer Wasser!) sollten uns auf eine Geduldsprobe stellen. 60 km vor dem Ziel zog sich der Beifahrer, der mit eigenem Auto unterwegs war, aus der Karawane zurück um kurz das "Revier zu markieren". Na gut. Es war halt viel Revier zu markieren und dauerte wohl etwas länger. Ab ins Auto und dem Tross hinterher gehetzt. Als 10 Km vor der Unterkunft klar wurde:
"die holst du nicht mehr ein" kam es zu folgendem Telefonat:

Patti: "Yo, Basti! Wo seid ihr jetzt?"
Basti: "An der Unterkunft"
P: "Super! Dann komm ich jetzt auch sofort da hin!"
B:"Besser nicht..."

Ooookaaaay? Was meint er wohl? Da der Beifahrer eher einfacheren Gemüts ist und wohntechnisch geringe Ansprüche stellt, war ihm klar, dass es wohl nicht so schlimm wird.

Doch, es war so schlimm.

Ein Wohnheim für Gastarbeiter in der chemischen Industrie, die in der Gegend überall anzutreffen ist. Entsprechend verbraucht. Eine Stunde später war jedoch klar, der ganze RG-Clan war da und die Zimmer waren ganz ok. Jede menge Platz zum "gemütlichen zusammentreffen" und ein Fernseher haben´s dann gerichtet. Hier noch mal Dank an Beatrix, die alles organisiert hat.

Danach ging es erstmal zur technischen Cup-Abnahme, bei der bei allen Cup-Fahrzeugen die Einhaltung des Reglements überprüft, und die Steuergeräte verlost wurden. Erstes Beschnuppern mit der "Konkurrenz", erstes in Augenschein nehmen der gegnerischen Autos, erstes Grillen ...

Grillen? Jau! Während wir noch gar nicht wussten, wo die ganzen Aufkleber hin sollen, hat Norbert, unser RG Cheffe, mal eben auf seinem Gas betriebenen, atomaren Höllenfeuer Burger gezaubert, bei denen Ronald McD. und Spongebob nur leise gemurmelt hätten: "Ok, ich verstehe - so muss das aussehen..."

Es folgte die eigentliche Technische Abnahme des Veranstalters, der aber nichts zu bemängeln hatte.

Auf dem Weg zurück zur Unterkunft, hatte der Beifahrer dann die erste Gelegenheit, sich mal so richtig zu blamieren. Bis ihm klar wurde, dass nach Ende der Karte noch einige Kilometer zu fahren waren, gingen 30 Minuten und einige panische Telefonate ins Land. Gut, wir wissen jetzt wo man in Wittenberg schön wohnen kann, wo die Bahn hält, wo´s Kiosk ist, und wo die Unterkunft nicht ist. Das Navi bleibt ab jetzt an Bord. Man weiß ja nie...

Wenn es draußen regnet kann man übrigens auch ganz vorzüglich im Treppenhaus grillen. Das wurde mir, nachdem wir die Unterkunft wieder Erwartens doch noch erreicht hatten, unmissverständlich klar gemacht.
"Alle RGler sind bekloppt" schoss es durch mein Gehirn und als nächster Gedanke: "Endlich normale Leute!" Hier will ich sein! Hier fühl ich mich wohl!

Es folgten schier endlose Diskussionen über den mittlerweile monsunartigen Regen, der die Strecke in eine Matschwüste verwandeln sollte, die Reifen für die nächste Saison und wie viel Jim Beam in die Cola gehört und das man den mit dem weißen Etikett mal grad überhaupt nicht trinken kann. Als diese Punkte abgearbeitet waren, ging es darum, wer mit wem, wann und warum in welchem Zimmer schläft. Onkel Norbert, der begnadetste Architekt wenn es ums Autoschrauben geht und ich teilten uns ein Zimmer. Dieses galt es zuerst auf Risse und statische Schwachpunkte zu untersuchen, da Nobbi und ich, sagen wir mal so, unsere Umwelt daran teilhaben lassen, das wir müd sind. Nicht das noch was passiert, wenn zwei große Jungs in den Raum brüllen...

Der Tag danach. Frisch und motiviert wie der junge Tod wurde sich in den Knochensack gezwängt, die Unterlagen gerafft und ab zum Frühstück.
Weltklasse! Eine hochgradig angagierte Herbergsmutter empfing uns mit einem herzallerliebst angerichteten Frühstückstisch, an dem nichts fehlte. Der Kaffee bestand aus 200g Kaffeepulver pro Tasse, vorsichtig mit der Pipette mit heißem Wasser aufgefüllt. Ich schlafe heute noch schlecht.

Doch, doch, ich habe tatsächlich den Weg zur WP1 gefunden ohne mich großartig zu verfahren. Als ich sah, was uns hier erwartet, hätt ich´s vielleicht aber besser getan...
Der Start auf einem Asphaltstück war absolut noch ok. Es folgte ein Rechtsknick auf etwas, das im Osten Feldweg genannt wird, aber so aussah, als hätte ein Nato - Pilot mit einer Fairchild-Republic A10 Thunderbold II ausprobiert, was Uran ummantelte 30mm Geschosse aus einer Gatling-Gun abgefeuert, mit einer Wiese anrichten. Jesusmariaundjosef, was für Löcher!

Nee, Super! Als unser Aufschrieb fertig war, wusste ich, das der junge, unerfahrene Nato-Pilot, etwa 100.000 Schuss zur Verfügung und so viel Zeit und Langeweile hatte, das es für 3 WP´s gereicht hat. Ich wurde an meine Zeit im Suzuki SJ413 bei der Trailmeisterschaft erinnert, wo das Geläuf auch nicht schlimmer war. Meine Güte, wie sollen wir, das Auto und vor allem mein Rücken das überleben?

Am Start der WP1 hab ich mich dann schon ein Wenig verkrampft, die Fußstütze gen Vorderachse gebogen und mich in den Sitz gepresst. Als dann der "Feldweg" kam - war´s gar nicht so schlimm!
Im "Eiligmodus" fliegt man nämlich über die Löcher drüber weg und berührt nur dir Ränder der Bombenkrater! Gut, Kutscher, dann mal volle Kraft voraus, flutet die Zylinder, das muss das Boot abkönnen! Hier kommt jetzt das Luftkissenboot, denn durch den seltenen Bodenkontakt, kann man zwar einen Kurs anlegen, muss aber hoffen, das der Seitenwind nicht so stark wird, damit Punkt "B" auch noch erreicht wird. Im Ziel empfingen uns die Eltern von Kati Wüstenhagen, die sich extra die Mühe gemacht haben, alle bisher gefahrenen Zeiten aller Teilnehmer auf ein Flipchart zu schreiben, damit man sofort eine Übersicht hat, wie es gelaufen ist. Danke dafür! Wie sich später herausstellte, reichte es für uns, um die erste Cup-Bestzeit zu fahren!

Das machte dem Piloten offenbar so viel Spaß, dass er kurz entschlossen auch die Bestzeiten auf WP 2 bis 5 einsackte. Nur auf WP 6 war das Team Werner/Schmitz einen Ticken schneller. Warum kann man nicht mehr nachvollziehen. Vielleicht lag´s am hohen Alter des Fahrers, oder der relativen Mondfeuchtigkeit. Trotzdem hat es gereicht:

1. Platz 318is Cup
1. Platz Klasse N/F3
1. Platz Schottercup Division 1
1. Platz Schottercup Gesamtwertung

Ein gewisser Herr Keskinen, extra aus dem hohen Norden mit einem Evo8 angereist, hat im Anbetracht das sein Koffer besser als ein 20 Jahre alter is gehen sollte, wohl leicht die Farbe gewechselt als ihm klar wurde, das gleich 2 der halb soviel angetriebenen und halb soviel leistenden BMW´s in der Gesamtwertung des Schotter-Cups vor ihm lagen...

Summa sumarum ein hochgradig gelungener Einstand.

Herzlichen Dank an den Kutscher, der sich zwar das Hemd aus der Hose gefahren hat, aber nie den Eindruck erweckte, nicht Herr der Lage gewesen zu sein.

Herzlichen Dank an Onkel Norbert und Wolle, die uns ein hervorragendes Spielzeug zur Verfügung gestellt haben.

Herzlichen Dank an alle RG318IS Jungs, die uns nach WP6 geholfen haben, das Auto wieder flott zu bekommen!

 

Patti